Fehldiagnose Reizdarm – Darmentzündung bleibt unerkannt

Durchfall, Bauchkrämpfe, Blähungen: Wer mit diesen Klagen zum Arzt geht, erhält häufig die Diagnose Reizdarm. Der Begriff ist zum Modewort in der Medizin geworden. Dabei können die Beschwerden Anzeichen für eine schwerwiegende Krankheit sein, warnt die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV). Die Symptome der mikroskopischen Kolitis, einer wenig bekannten, aber zunehmend verbreiteten chronischen Darmerkrankung, sind dem Reizdarmsymptom sehr ähnlich. Ihr Leitsymptom ist wässriger Durchfall.

„Ein Reizdarm und die mikroskopische Kolitis lassen sich auf den ersten Blick kaum voneinander unterscheiden. Das ist ein großes Problem“, sagt Prof. Ahmed Madisch (Hannover), der mit der DCCV zusammenarbeitet. Einzig eine Darmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben bringe Klarheit. Doch diese werde noch zu selten gemacht. „Viele Patienten sind unterdiagnostiziert. Sie werden fälschlicherweise als Reizdarmpatienten behandelt und leiden weiter.“


Chronischer Durchfall: Heilung ist möglich

Während ein Reizdarm nur schwer zu behandeln ist, gibt es bei mikroskopischer Kolitis gute Therapieoptionen. Medikamente helfen den meisten Patienten schnell. So wie im Fall von Edda Günther. Von einem auf den anderen Tag wurde die 61-Jährige von schweren Durchfällen geplagt. „Die Beeinträchtigungen waren enorm. Egal was ich aß, eine halbe Stunde später musste es raus. Und das schnell.“ Orte, an denen es keine Toilette gab, mied Günther. Als ihr Gastroenterologe bei der Darmspiegelung mit Gewebeentnahmen eine mikroskopische Kolitis als Ursache für die quälenden Durchfälle erkennt, kann ihr Leiden beendet werden. Die Therapie greift bereits nach zwei Wochen. Günther ist seit dem beschwerdefrei. Die Lebensqualität ist zurück.

Die mikroskopische Kolitis tritt vor allem in einer Bevölkerungsgruppe auf: 75-80 Prozent der Betroffenen sind Frauen über 50 Jahre. „Wir gehen davon aus, dass in dieser Gruppe in zehn Prozent der Fälle eine mikroskopische Kolitis die Ursache für den Durchfall ist.“ Die Zahl der Neuerkrankungen ist ansteigend. Und: „Durch die häufige Verwechslung mit dem Reizdarm-Syndrom ist die Dunkelziffer hoch“, sagt Madisch. Die DCCV rät: Wer länger als vier Wochen an Durchfall leidet, sollte die Ursache von einem Facharzt abklären lassen.

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