„Darmkrankheit durch kranke Rinder?“ - Statement von Prof. Dr. Ulrich Böcker zur ARD-Sendung "Plusminus"

Am 18. Januar 2012 berichtete das ARD-Magazin Plusminus in dem Beitrag „Darmkrankheit durch kranke Rinder?" (Link zum Beitrag in der ARD-Mediathek) über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Infektion von Rindern mit dem Bakterium „Mycobacterium avium paratuberculosis“ und dem Auftreten der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn beim Menschen.

Der Beitrag gab Daten Raum, die für diese Krankheitshypothese sprechen, verwies aber auch darauf, dass der Beweis einer Kausalität nicht erbracht und daher die Diskussion zu dieser Thematik nicht abgeschlossen sei.

Prof. Dr. Ulrich Böcker, Mitglied des Beirats im Kompetenznetz Darmerkrankungen stellt dazu fest: „Die Frage nach den Ursachen für chronisch entzündliche Darmerkrankungen ist nach wie vor nicht abschließend beantwortet. Die unterschiedlichen Häufigkeiten der Erkrankungen weltweit zeigen, dass sowohl genetische Faktoren als auch die Lebensumstände, auch in Bezug auf die genutzten Nahrungsmittel, oder Störungen in der Barrierefunktion bei betroffenen Menschen Auslöser für Morbus Crohn sein können.

Die geltenden Hypothesen gehen davon aus, dass Bestandteile des Darmlumens, und damit auch dort lebende Bakterien, an der Auslösung und Unterhaltung der Erkrankungen beteiligt sind. Auf Grund der Ähnlichkeit der Paratuberkulose beim Rind und des Morbus Crohns beim Menschen ist die Diskussion um einen Zusammenhang bei der Erkrankung nicht neu.

Tatsächlich werden Bestandteile des Bakteriums und immunologische Reaktionen darauf häufiger bei Menschen mit Morbus Crohn gefunden als bei darmgesunden Menschen. Auf der anderen Seite ist der Nachweis bakterieller Bestandteile nicht gleichzusetzen mit der Annahme, dass das Bakterium Krankheitsauslöser ist.

Vorstellbar wäre, dass das Bakterium unter besonderen Umständen und bei einer Untergruppe von Betroffenen an der Krankheitsform und Ausprägung der Erkrankung beteiligt ist. Das müsste durch Studien geklärt werden. Dem Thema insgesamt wird in letzter Zeit aber auch in der Grundlagenforschung vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt.“

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